Kann ein Tag, an dem ein Zahn gezogen wird ein schöner Tag werden? Zwischen Abschiedsschmerz und Neubeginn, zwischen Unachtsamkeit und Achtsamwerden finde ich ein Stück Septemberglück.

Was für ein Tag

Eigentlich unspektakulär und irgendwie doch auch nicht. Zahnarzttermin. Ein Brücke für meine seit Jahren vorhandene Lücke, die ich auf Fotos immer wieder hervorblitzen sehe und nicht ansehnlich finde. Beim Lachen passe ich schon oft auf, aber beim Erzählen sieht man sie doch immer wieder. Aber heute wird sie geschlossen. (Septemberglück Nr.1) Die Zahnlücke die entstand, weil ich damals nicht den Mut hatte zu sagen: Na ich warte mal ab ob der Zahn wirklich raus muss bzw. will.  Mein Zahnarzt, den ich jetzt (na inzwischen auch schon seit 10 Jahren) habe, ist da zum Glück immer sehr entspannt. Er sagt: Der Zahn meldet sich schon bzw. der Körper zeigt schon, wenn er raus soll.

A Propos Zahn der raus will oder soll. Ich würde mich riesig auf diesen Termin freuen, wenn er nicht verbunden wäre mit dem Ziehen eines Weisheitszahnes, der in den letzten Tagen einfach weggebrochen ist. Somit ist aber die Freude überlagert von der Angst oder dem mulmigen Gefühl.

Ich meditiere vorher, aber ich schaffe es nicht in eine Egal-Stimmung zu kommen. Ich bleibe angespannt.

Sooo sensibel

Während die Brücke eingesetzt wird merke ich schon, dass ich heute irgendwie sensibler bin als sonst. Die kalte Dusche bei der Reinigung zieht so dermaßen, dass ich ständig zusammenzucke. Aber das Einsetzen geht recht schnell und dann… ist er dran. Der Weisheitszahn. Die Spritze wirkt schon gut und ich gebe mich hin und versuche diesen bis dahin treuen Begleiter (oder das was davon noch übrig ist) loszulassen. Und tatsächlich geht es recht schnell. Während ich auf den Tupfer beiße kullern mir die Tränen. Meine Güte was ist denn heute nur los. Es tat ja gar nicht weh. (Septmeberglück Nr.2) Ist das Trauer? Abschiedsschmerz von einem Teil meines Körpers?

Ich lass die Tränen laufen. Sie haben eine Grund, auch wenn ich den gerade nicht so recht orten kann. Aber ich habe in letzter Zeit erfahren, dass Tränen fließen wollen und dass es sich danach leichter anfühlt.
Ich schau mir den Kleinen nochmal an und sage innerlich „Tschüss“ und dann gehe ich zum Auto. Na mal sehen wann der Wundschmerz sich durch die Betäubung schiebt.

Ich steh im Wald…

Auftanken im WaldBevor ich losfahre, gehe ich noch kurz in den Wald. (Septemberglück Nr.3 ) Das mache ich meistens nach einer Zahnarztsitzung. Den Stress ablassen, das Grün aufsaugen. Also mein Zahnarzt ist echt toll. (Septmeberglück Nr.4) Er hat seine Praxis in einem kleinen Holzhaus in der Natur und ich bin manchmal etwas traurig, dass ich nicht schon immer, also seit meiner Kindheit bei ihm in Behandlung bin. Ich hatte so viele blöde Erfahrungen mit anderen Zahnärzten- und Ärztinnen, dass ich jetzt umso dankbarer bin, bei ihm gelandet zu sein.

Na ich steh jedenfalls für 20 Minuten im Wald und muss nochmal so richtig losheulen. Immer noch keine Ahnung warum, aber danach geht es mir besser. (Septemberglück Nr. 5) Die neue Brücke fühlt sich noch etwas fremd in meinem Mund an und die Betäubung wirkt noch. Ich muss aufpassen, ich beiße mir ungewollt ständig in die Wange, da wo vorher die Lücke war.

Ich muss gerade schmunzeln was ich Euch hier alles mitteile. Lach. Aber wisst ihr was. Es wird mehr und mehr egal, ob andere das doof finden. (Septemberglück Nr.6) Ja.. ich hatte da diese unschöne Lücke… hatte vor einigen Jahren einfach kein Geld diese machen zu lassen. Meine Zähne sind ein Teil von mir, der leider nicht so gesund und schön ist. Sie sind dunkel und weich und…. Ja vielleicht hat da auch meine Essstörung einen Teil zu beigetragen. Aber was soll´s.

So ist es jetzt nun mal. Das bin halt ich. Mit all den körperlichen Gegebenheiten und Gedanken. Und irgendwie tut es gut, einfach (fast 😉 ) alles rauszuschreiben. (Septemberglück Nr. 7) Das war gar nicht geplant heute, aber es kribbelt in mir und ich will den Tag heut einfach beschreiben.

Raus aus dem Wald – rein ins Leben

Ich fühle mich etwas gebeutelt von der Prozedur und versuche mich nicht so sehr hängen zu lassen nach diesem Verlust. Ich fahre nach Hause und warte immer noch ganz skeptisch auf den ungefilterten Zahnziehschmerz.

Zu Hause angekommen mache ich mir einen Shake aus Banane, Mandelmilch und Avocado, (Septemberglück Nr. 8) weil ich noch nicht kauen möchte, aber Hunger habe. Außerdem muss ich gleich wieder los.
Ich habe einen Termin mit Péter Kovács von SuperNatural – The Bodyforming Factory. (Septemberglück Nr. 9) Nein, ich hab nicht vor meinen Body formen zu lassen. Ich möchte gern meinen Körper bzw. mein Blut analysieren lassen, um zu schauen, ob die Supplements die ich seit einem Jahr nehme auch in meinem Körper bzw. an den richtigen Stellen ankommen und was ansonsten alles nicht so optimal ist, um es dann anzugehen.

…in ein gesundes Leben

Ja ich könnte auch zu einer Ärztin oder einem Arzt gehen, mich ins Wartezimmer setzen und dann erklären warum ich einen Bluttest möchte, obwohl es mir gerade nicht schlecht geht. Meine Erfahrung beim letzten Mal: Ein großes Blutbild? Nein ein Kleines reicht, das letzte große haben wir doch vor 5 Jahren gemacht. Und in der Auswertung: Ja sie haben einen Eisenmangel. Ich schreibe ihnen mal was auf. Ah ja, danke. Kein D3 Test, keine Betrachtung und Auswertung der anderen Werte mit Ausrufezeichnen, schnell fertig werden und ein Rezept über kein Produkt meiner Wahl. Das fühlt sich nicht gut an. Das nehm ich lieber selbst und auf andere Weise in die Hand. (Septemberglück Nr. 10)

Ich horche vorsichtig in mich hinein was der Schmerz macht, aber nur weil ich gleich mit dem Fahrrad fahren muss, da mein Schatz das Auto braucht. Und Erfahrungsgemäß verstärken sich Schmerzen ja bei Anstrengung. Aber ich fühl mich gut und radle los. Es puckert ein ganz klein bisschen. Nicht schlimm. (Septemberglück Nr. 11)

Unterwegs mach ich mir Gedanken, was mich bei Péter erwartet. Am Telefon war er schon mal supernaturalnett. Dennoch frage ich mich, was das für eine Beratung wird und was ich eigentlich möchte. Also ich möchte erstmal ein Blutbild – also Fakten – die man auswerten und an denen man arbeiten kann. Eine längerfristige Beratung ist erstmal nicht mein Ding, ich habt ja auch gerade so schön meinen Weg gefunden mit dem Essen und der veganen Ernährung. Ich bin kein Freund von Konzepten, die es gibt, die aber (noch) nichts mit mir zu tun haben. Also sowas wie Ernährungs – oder Fitnesspläne. Ich mach das am liebsten mit mir selbst aus und finde meine Spur. Was nicht heißt dass Impulse von außen nicht wertvoll sind. Na jedenfalls nehme ich mir vor ganz mutig zu sagen, dass ich nur mein Blut getestet und ausgewertet haben möchte, (Septemberglück Nr. 12) damit er ja nicht auf die Idee kommt, mich als längerfristige Kundin einzuplanen.

A supernatural way…

Dort angekommen stehen wir uns gegenüber und ich bin der Meinung, dass ich Péter schon kenne. Weiß aber partout nicht woher. Er läuft los und sagt: Du warst ja noch nicht bei uns im Fitnessstudio oder? Und ich sage viel zu schnell: Nein, aber Dein Fitnessstudio interessiert mich auch nicht. Mir wird bald darauf klar, dass das völlig unnötig und übereilt war. Ich hatte einfach den Verdacht, dass er mich jetzt erstmal durch das Studio führen möchte. Reine Abwehrmaßnahme bezüglich der Kundengewinnung. Oh Mann.. wie peinlich. Wir sind doch einfach nur auf dem Weg ins Büro.

ein supernatural Gespräch mit PeterOkay. Und dann .. kommts.  Ein so super sympathisches Gespräch. (Septemberglück Nr. 13) Ich bin jetzt noch immer ganz beflügelt und währenddessen ganz euphorisch, mit ihm alle Details über meine Erfahrung mit meiner Ernährung, meinen Ideen von Gesundheit und Intuition und Dingen, die meinen Körper betreffen auszutauschen, abzugleichen und zu erweitern. Ich fall ihm auch echt oft ins Wort, was mir immer passiert wenn ich thematisch irgendwo andocke und es einfach Spaß macht miteinander zu reden. Aber Péter ist entspannt und nimmt geduldig immer wieder den Faden auf, analysiert, erklärt und hört zu. Seine Ansichten über Medizin, seine unaufdringliche, unbewertende Art geben mir das Gefühl ich bin hier genau richtig. (Septemberglück Nr. 14)

Mein Körper – dieses Wunder

Péter erklärt mir, dass er aus den Fragebögen, die ich im Vorfeld ausgefüllt habe, schon viel rauslesen kann und wie er dadurch eine Richtung findet, in der wir eventuell Antworten auf meine Fragen bekommen. Das Feld ist groß. Und es gibt nicht wirklich Teilgebiete des Körpers die wir losgelöst betrachten können. Alles hängt miteinander zusammen. Ein Mangel bedingt einen anderen Mangel oder ein auftretendes Symptom, ein Leiden. Es ist wie Spurenlesen. Der Körper strebt nach Homöostase. Er ist ein Wunderwerk (Septemberglück Nr. 15) und ich habe das Gefühl wir haben verlernt dieses Wunder richtig zu verstehen bzw. achtsam mit ihm zu sein. Bzw. wenn wir anfangen, uns um ihn zu kümmern, dann ist es oft schon so spät, dass es schwer ist, den Ursprung eines Problems zu finden.

Egal. Ich find´s spannend, auf diese Reise mit mir selbst zu gehen. (Septemberglück Nr. 16) Lange Zeit habe ich es verdrängt. Hab mich wenig darum gekümmert. Vielleicht hatte ich auch Angst vor schlechten Nachrichten und davor, damit dann umgehen zu müssen.  Es ist auch etwas anderes wenn jemand sagt: Lass das und das mal testen, mach mal die Kur und probier mal die Übung. Als wenn man von allein den Wunsch verspürt, den Dingen auf den Grund zu gehen oder etwas in Angriff zu nehmen und sich dann Impulse oder Hilfe holt. Wollen fühlt sich viel besser an als sollen. (Septemberglück Nr. 17)

Nach der Auswertung der Bögen hat Péter einen groben Plan für ein Blutbild und wir machen einen weiteren Termin. Am Rande schnacken wir noch über Eigenverantwortung und die Entwicklung aus sich selbst heraus. Darüber wie manipulierbar der Mensch ist und über den Social-Media Nutzen. Ich freu mich wieder einen Menschen getroffen zu haben, der ähnlich denkt und klar ist und klarer wird… lach. Ich bin irgendwie so energetisiert. Ein Toller Termin. (Septemberglück Nr. 18)

Begegnung mit Ausblick

Auf dem HeimwegDie Aussicht auf ein Auswertungsgespräch mit Informationen über essentiellen Zusammenhängen stimmt mich fröhlich und ich radle an der Spree entlang nach Hause. Ich sehe die ersten Herbstrottöne in den Bäumen leuchten (Septemberglück Nr. 19), begrüße den Herbst und komme ganz beseelt zu Hause an.

So kann ein Tag sich wenden. Nun bin ich gespannt auf das Ergebnis und was ich daraus machen kann oder muss. Und bis dahin hab ich ne Menge Arbeit auf dem Tisch aber auch ein spannendes Wochenende vor mir, denn ich fahre zu einem Bogenbaukurs. (Oktoberglück Nr.1)

 

 

Und jetzt 4 Wochen später… hab ich das Ergebnis und bin super zufrieden. (Oktoberglück Nr.2) Es gibt ein paar kleine Baustellen, die aber nicht wirklich gravierend sind und die ich gut angehen kann. Ich bin sehr glücklich, dass alles was ich bisher in Angriff genommen habe auch Ergebnisse zeigt. Die Mängel des letzten Bluttests sind gut ausgeglichen, ein paar Feinjustierungen noch und dann hab ich eine gute Grundlage, dass mein Körper aus dieser Position erstmal gut aufgestellt ist. Danke Péter. Danke innerer aufwachender Schweinehund. 🙂 (Septemberglück Nr. 20)